zur Startseite
Service-Hotline 07472 / 22 866 (MO-FR 8-18 Uhr)
E-Mail: <Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, zum Ansehen müssen Sie in Ihrem Browser JavaScript aktivieren.>

Studie: Österreichs Pensionssystem hinkt weit hinterher

Beitrag erstellt am 13.11.2017
Bei einer Analyse der Altersversorgungs-Systeme belegt Österreich nur den 21. Platz unter 30 untersuchten Ländern. Nachhol- und Reformbedarf sehen die Studienautoren in der Nachhaltigkeit des österreichischen Systems. Die Arbeiterkammer Wien reagierte allerdings mit deutlicher Kritik auf die Studie.
-
Zoom
Seit 2009 erstellt das Beratungsunternehmen Mercer in Kooperation mit dem Australian Centre for Financial Studies den sogenannten Melbourne Mercer Global Pension Index. 2017 wurden für den Index Stärken und Schwächen der Altersversorgungs-Systeme von 30 Ländern untersucht. Neben den staatlichen Altersvorsorgesystemen wie der gesetzlichen Rentenversicherung und der betrieblichen Altersversorgung (bAV) werden den Angaben zufolge auch private Anlagen und Vorsorgemaßnahmen berücksichtigt.

Die Bewertung der Altersversorgungs-Systeme beruht auf einem Punktesystem. Der Gesamtindex – erreichbar waren insgesamt zwischen null und 100 Punkte – setzt sich aus den gewichteten Durchschnittswerten der folgenden drei Sub-Indizes zusammen: „Angemessenheit“ (40 Prozent Gewichtung), „Nachhaltigkeit“ (35 Prozent Gewichtung) und „Integrität“ (25 Prozent Gewichtung). Diese sind wiederum in insgesamt über 40 Kriterien unterteilt.

Zahlreiche Bewertungskriterien
Beim Sub-Index „Integrität“ spielen unter anderem die Faktoren staatliche Aufsicht, Kosten, Risikosteuerung und Kommunikation eine Rolle. So wird ermittelt, wie vertrauenswürdig und beständig das Vorsorgesystem ist. Der Index „Nachhaltigkeit“ geht anhand von Faktoren wie Rückdeckung, Finanzierung, Demografie, Staatsverschuldung und flexiblen Arbeitszeitmodellen für ältere Arbeitnehmer der Frage nach, ob das gegenwärtige System in Zukunft aufrechterhalten werden kann.

Beim Sub-Index „Angemessenheit“ geht es um die derzeit gewährten Versorgungsleistungen und einige wichtige Gestaltungsmerkmale wie etwa Versorgungsniveau, steuerliche Anreize, Gestaltung der Altersversorgungs-Modelle und Sparquote.

Nach Angaben der Studienautoren hat es im Vergleich zum Vorjahr einige Änderungen gegeben. So seien unter anderem erstmals Daten hinsichtlich freiwilliger betrieblicher Altersvorsorge als Indikator für die Nettoersatzrate (Angemessenheit) sowie das von der Weltbank gemessene reale Wirtschaftswachstum (Nachhaltigkeit) in die Bewertung einbezogen worden. Dadurch wurden auch einige Umgewichtungen in den einzelnen Kriterien der Sub-Indizes nötig.

Österreich auf Rang 21
Spitzenreiter im Gesamtranking ist Dänemark mit 78,9 Punkten (Vorjahr: 80,5 Punkten) hauchdünn vor den Niederlanden mit 78,8 Punkten (2016: 80,1 Punkten). Dass die beiden Länder unter die 80-Punkte-Marke sanken und damit auch die Bestnote A verloren, führt das Beratungsunternehmen auf das geringere Wirtschaftswachstum sowie die oben angesprochenen Umgewichtungen zurück.

Österreich kommt trotz einer leichten Verbesserung um 1,4 Punkte auf einen Gesamtindexwert von 53,1 Punkten noch auf den 21. Rang und schneidet damit drei Positionen schlechter ab als im Vorjahr.

Dies ist vor allem darin begründet, dass sich die aktuell erstmals untersuchten Länder Norwegen (Platz vier mit 74,7 Punkten), Neuseeland (Rang neun mit 67,4 Punkten) und auch Kolumbien (Position 14 mit 61,7 Punkten) vor Österreich platzierten.

Die Platzierung sonstiger Länder
Auf den sonstigen Plätzen drei bis 20 liegen neben Norwegen (Platz vier) und Neuseeland (Platz neun) vor Österreich folgende Länder: Australien (Platz drei, 77,1 Punkte), Finnland (Platz fünf, 72,3 Punkte), Schweden (Platz sechs, 72,0 Punkte), Singapur (Platz sieben, 69,4 Punkte), Schweiz (Platz acht, 67,6 Punkte), Chile (Platz zehn, 67,3 Punkte), Kanada (Platz elf, 66,8 Punkte) und Irland (Platz zwölf, 65,8 Punkte).

Auf Platz 13 liegt Deutschland mit 63,5 Punkten. Danach folgen Kolumbien (Platz 14, 61,7 Punkte), Großbritannien (Platz 15, 61,4 Punkte), Frankreich (Platz 16, 59,6 Punkte), USA (Platz 17, 57,8 Punkte), Malaysia (Platz 18, 57,7 Punkte), Polen (Platz 19, 55,1 Punkte) und Brasilien (Platz 20, 54,8 Punkte).

Von 14 bewerteten europäischen Ländern liegt nur noch Italien mit Platz 22 und 50,8 Punkten hinter Österreich. Die letzten drei Plätze aller bewerteten Länder überhaupt gehen an Indien (Platz 27, 44,9 Punkte), Japan (Platz 28, 43,5 Punkte) und Argentinien (Platz 30, 38,8 Punkte).

Schwachpunkt Nachhaltigkeit
Österreich konnte sich laut den Studienautoren vor allem durch die Aufnahme des realen Wirtschaftswachstums in dem Sub-Index Nachhaltigkeit um 3,9 auf 19,9 Punkte verbessern. Damit liegt es allerdings weiterhin an vorletzter Stelle – nur Italien schneidet in diesem Bereich mit 16,4 Punkten noch schlechter ab. Vor allem bei der Finanzierung des Altersvorsorgesystems gibt es laut Mercer „einen unverändert großen Verbesserungsbedarf“.

Im Gegensatz zu Modellen in anderen Ländern wie etwa Schweden fehle es dem österreichischen System an einer automatischen Anpassung an demografische Entwicklungen – „ein Mittel, um für eine größere Generationen-übergreifende Gerechtigkeit zu sorgen“, so das Beratungsunternehmen.

In Sachen Angemessenheit liegt Österreich laut der Mercer-Untersuchung mit rund elf Punkten Rückstand auf die Spitze im Mittelfeld und kommt mit 67,6 Punkten auf einen klar überdurchschnittlichen Sub-Index-Wert, verpasste hier mit Platz zwölf aber hauchdünn die Top Ten. Rund fünf Punkte über dem Durchschnitt und mit Rang 16 ebenfalls im Mittelfeld liegt der österreichische Wert auch hinsichtlich der Integrität.

Harsche Kritik aus der Arbeiterkammer Wien
Kein gutes Haar lässt die Arbeiterkammer Wien an der Studie: Kapitalgedeckte Pensionen bildeten einen wesentlichen Geschäftsbereich von Mercer, dementsprechend setze der Index auf mehr Kapitaldeckung, heißt es von der AK. Im Wesentlichen messe der Index die Bedeutung von Kapitaldeckung in den Pensionssystemen. „Er ist so konstruiert, dass Pensionssysteme automatisch umso nachhaltiger erscheinen, je höher der Anteil der Kapitaldeckung ist.“

Dies sei aber ein Trugschluss. „Gerade jene Länder, die auf Kapitaldeckung gesetzt hatten, waren im Zuge der Finanzkrise gezwungen, Leistungen zu kürzen“, so die Arbeiterkammer. Die „seltsame Indexbildung“ führe auch dazu, dass Länder wie Deutschland bei der Angemessenheit der Pensionen weit vor Österreich liegen.

„Angesichts des weitaus niedrigeren Leistungsniveaus in der deutschen Rentenversicherung und des Umstands, dass das öffentliche Pensionssystem in Australien lediglich eine Mindestsicherung bietet, disqualifiziert sich dieser Index eigentlich von selbst.“ Das österreichische Pensionssystem sei auch langfristig stabil: Nach dem Ageing Report der EU-Kommission würden die Pensionsaufwendungen bis 2060 im Vergleich zu 2014 „nur um 0,5 Prozent des BIP steigen“.

Absicherung für den persönlichen Lebensstandard
Experten raten, sich bei der Altersvorsorge nicht alleine auf die gesetzliche Pension zu verlassen. Denn bereits heute ist die Höhe der gesetzlichen Pension deutlich niedriger als das letzte aktive Erwerbseinkommen eines Beschäftigten, bevor er in Pension geht. Das heißt, wer im Pensionsalter seinen bisherigen Lebensstandard finanziell gesichert sehen will, sollte nicht alleine auf die gesetzliche Altersrente setzen.

Auf dem Webportal des Bundesministeriums für Finanzen ist diesbezüglich zu lesen: „Die Altersvorsorge ist in Österreich nach dem ‚Drei-Säulen-Modell‘ aufgebaut. Die gesetzliche Altersvorsorge (Erste Säule) stellt die finanzielle Absicherung sicher, zusätzlich gewinnt die betriebliche und private Altersvorsorge an Bedeutung und kann für die Beibehaltung des gewohnten Lebensstandards beitragen.“

Die Versicherungswirtschaft bietet bedarfsgerechte Lösungen an, die es dem Einzelnen ermöglichen, seine finanzielle Pensionslücke zwischen dem bisherigen Erwerbseinkommen und der zu erwartenden gesetzlichen Pension zu schließen. Je nach Vorsorgevariante sind auch staatliche Förderungen in Form von Prämien und Steuervergünstigungen möglich. Wie hoch die voraussichtliche Einkommenslücke des Einzelnen tatsächlich sein wird und welche individuell passenden Altersvorsorgeformen infrage kommen, können beim Versicherungsexperten erfragt werden.

NACH OBEN