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Für die persönliche Vorsorge wird in Österreich weniger gespart

Beitrag erstellt am 22.10.2018
Die Erste Bank hat ihre jährliche Sparstudie vorgestellt: Unverändert ist die Bedeutung des Sparens für die Österreicher, doch es wird heute mehr für Anschaffungen und Urlaubsreisen und weniger für Vorsorge gespart als vor zehn Jahren. Der Anteil jener, die Lebens- oder Kapitalversicherungen besitzen, ist allerdings gestiegen.
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Bei einer von Imas International im Auftrag der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG durchgeführten repräsentativen Umfrage wurde auch heuer wieder das Sparverhalten der Österreicher untersucht.

Zwischen 25. Juni und 11. Juli wurden mit 900 Österreichern ab 15 Jahren Telefoninterviews geführt. Um getrennte Auswertungen zu ermöglichen, seien in jedem Bundesland 100 Personen befragt worden, für die österreichweite Betrachtung sei eine Gewichtung der Bundesländer auf ihr repräsentatives Niveau erfolgt, so die Erste.

Vorsorge als Sparziel im Sinkflug
Für drei Viertel der Österreicher ist Sparen „sehr“ oder „ziemlich“ wichtig, lautet das Ergebnis der Studie.

Dieser Wert liegt genau auf dem Niveau aus dem Vorjahr, nachdem 2009 mit 79 Prozent ein Höchststand und 2015 mit 68 Prozent der tiefste Wert registriert worden war.

Gleichzeitig sei eine leichte Erholung der Sparquote zu erwarten. Diese war 2009 noch bei 11,4 Prozent gelegen und ist bis 2017 auf 6,8 Prozent gesunken. Heuer werde sie bei 7,0 Prozent erwartet.

Alters- und Pflegevorsorge hat als Sparziel weiter an Boden verloren. Sparten 2009 noch 56 Prozent für diesen Zweck, so waren es im Vorjahr 43 und nun nur noch 41 Prozent. Deutlich angestiegen sind im Zehn-Jahres-Vergleich dagegen Anschaffungen und Urlaubsreisen als Sparziele.

Wie gespart wird
245 Euro jährlich spart der durchschnittliche Österreicher laut Studie, das sind um 58 Prozent mehr als 2009 – damals waren es 155 Euro. Dafür nutzen die meisten Sparprodukte: Sowohl Sparbuch und -karte (80 Prozent) als auch Bausparen (60 Prozent) werden nun mehr genutzt als noch 2009.

Einen Anstieg gibt es aber auch bei Lebens- und Kapitalversicherungen. 2009 gaben 41 Prozent an, eine solche zu besitzen, derselbe Wert wurde 2017 erreicht. Nun würden 44 Prozent diese Produkte nutzen, so die Studie.

Zuwächse weist die Umfrage auch bei der staatlich geförderten Pensionsvorsorge aus. Die Zahl der Nutzer stieg demnach von 19 (2009) auf 20 Prozent im Vorjahr und 23 Prozent in der aktuellen Studie.

Bei all diesen Ergebnissen muss allerdings zum einen berücksichtigt werden, dass die Studie eine Schwankungsbreite von rund plus/minus 3,3 Prozent aufweist. Zum anderen haben sich in der Zwischenzeit auch andere Effekte eingestellt. So sind die Vertragszahlen der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge seit 2013 kontinuierlich gesunken.

Unter der Inflationsrate
Solides Wirtschaftswachstum und sinkende Arbeitslosenraten sowie ein Lohnwachstum von mehr als zwei Prozent sollten dazu führen, dass sich die Inflationsrate in Richtung des von der Europäischen Zentralbank (EZB) definierten Zieles bewegt, erwartet die Erste Bank. Dies sei Voraussetzung für Zinserhöhungen.

Ein Niveau von zwei oder drei Prozent bei kurzfristigen Einlagenzinsen für private Haushalte sei innerhalb der kommenden drei Jahre dennoch „kaum absehbar“, erklärt Gudrun Egger, Head of Major Markets und Credit Research bei der Erste Bank.

Dies bedeute, dass die kurzfristigen Zinsen noch längere Zeit unter der österreichischen Inflationsrate bleiben werden.

Finanzwissen fehlt
Mehr als ein Drittel der Österreicher (36 Prozent) glaubt, über einen sehr guten Wissensstand zu Finanz- und Wirtschaftsthemen zu verfügen. Männer (46 Prozent) übertreffen in ihrer Selbst-einschätzung Frauen (27 Prozent) in diesem Punkt deutlich.

Dennoch wissen 91 Prozent der Befragten nicht, was Anleihen sind; für 70 Prozent sind Fonds und für 62 Prozent Aktien unklar. Immerhin 48 Prozent haben mit dem Begriff Zinsen Schwierigkeiten, 35 Prozent mit „Inflation“, so die Studie.

54 Prozent der Befragten glauben, dass Aktien, Investmentfonds, Anleihen und andere Wertpapiere „schwierig zu verstehen“ sind und 41 Prozent sind der Meinung, dass sie „nur etwas für Risikofreudige“ wären. Und das, obwohl jeweils 59 Prozent denken, dass Wertpapiere immer mehr an Bedeutung gewinnen und eine gute Alternative zum Sparbuch seien.

Für den Privatkundenvorstand der Erste Bank Thomas Schaufler ist mangelndes Finanzwissen denn auch eines der Hauptprobleme, warum Wertpapiere nicht im Anlageuniversum der Österreicher verankert sind.

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